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Vom Gehen mit Stöcken - Teil 3

In diesem letzten Teil unserer Serie zum Thema "Gehen mit Stöcken" präsentieren wir Ihnen zwei weitere Walking-Techniken: "Tai Walking" und "Nordic Walking". Wir schließen die Serie mit einem Vergleich der verschiedenen Techniken und einem Resümee ab.
Tai Walking
Die Tai Walking-Technik ist schnell beschrieben, weil es keine ist. Zwei fingerdicke Baumbusstöcke, auf ca. 180 cm geschnitten, erhalten zur Dämpfung und für den besseren „Gripp" ca. 8 cm lange „Spitzen" aus Gartenschlauch, die 1 cm über die Bambusstockspitze hinausragen. Das ist schon alles. Wer es komfortabler will, umwinkelt ca. 20 cm lang den Griffbereich. Der sollte deshalb so lang sein, um in den Greifhöhen variieren zu können. Dann heißt es für die Teilnehmer gehen und ausprobieren und für den Anleitenden beobachten!
Unbeeinflusst vom Stockmaterial, von Stocklängen, unterschiedlichen Griff- und Handschuhsystemen und Techniken (Vorerfahrung, gesehen, hören-sagen usw.) vollzieht sich das Gehen mit Stocken. Was für die einen zu einer sichtbare Störung im automatisierten Bewegungsmuster wird, lässt bei anderen die Tendenz zu einem dynamischeren Walken erkennen. Offensichtlich werden akute Dysbalancen z.B. Passgang, hochgezogene Schulter oder versteckte, wie Schonhaltungen, motorische Störungen. Eine „Verstellmöglichkeit" in der Stocklänge wird durch unterschiedlich hohes oder tiefes Greifen erreicht.
Im Unterschied zu den anderen Techniken steht nicht der Stock im Mittelpunkt, sondern die Bewegung mit ihm im Freien. Mobilisierungsübungen in Anlehnung an asiatische Stocktechniken, Atemübungen aus dem Qi Gong und andere Bewegungsformen aus dem Tai Chi integrieren das Gehen mit Stöcken.
Tai Walking wurde schon in vielen Lehrgängen des BLSB angeboten. Inwieweit diese „puristische" Form des stock-unterstützten Gehens, die an die Anfänge erinnert ihre Anhänger findet, bleibt abzuwarten.
Nordic Walking
Obwohl die Nordic Walking Technik in ihren Grundlagen bekannt sein dürfte, komplettiert sie an dieser Stelle die Gesamtschau.

Aktuell ist die ALFA247-Technik, die in einer 7Steps-Methode vermittelt wird. ALFA steht für A-aufrechter Gang, L-langer Arm. F-flacher Stock, A-angepasster Schritt. Die 7Steps sind Kennen lernen, erste Erfahrungen sammeln, greifen und loslassen, Aufrichten, Bewegungsspielräume, aktive Fußarbeit, Varianten & ALFA-Technik.

(Verwendung der Abbildung mit freundlicher Genehmigung des DNV, Klaus Schulz)

Im Unterschied zu den anderen Techniken wird der Stock weiter hinter den Körper geführt, was, anatomisch bedingt, erst durch das Öffnen der Hand geschieht (Abdruckphase). Dies wiederum ermöglicht eine spezielle Handschlaufe, in der sich im Wesentlichen die Handkante abstützt. Vor den Körper geführt, schließt sich die Hand und umfasst den Griff (Zugphase). Öffnen und Schließen erfolgt in einer rhythmischen Bewegung. Anzustreben ist eine Rotationsbewegung der Schulter- zur Hüftachse, die eine raumgreifende Armbewegung ermöglicht. Diese Rotation setzt jedoch eine gute Körperwahrnehmung und Koordination (in Verbindung mit dem Stockeinsatz) voraus.

Nicht an dieser Stelle wird die Diskussion um das Stockmaterial und höhenverstellbare Stöcke geführt. Wer die Entwicklung des Nordic Walking von Anfang an begleitet hat, weiß um Stöcke lang, Stöcke kurz, Formeln hin und Formeln her. Der Eindruck geschickten Marketings, trotz physiologischer Erläuterungen, ist nicht von der Hand zu weisen. Teleskopisierbare Stöcke mögen ihren Nachteil haben, aber nicht für den Normalverbraucher. Was Stickwalking zum Vorteil gereicht, verhindert beim Nordic Walking verkaufstechnisch den Trend zu Zweitstöcken (feststehenden Stöcke).

Wirkungsweise der einzelnen StocktechnikenDie folgende Grafik veranschaulicht die jeweilige Technik und die Wirkungsrichtung des Stockabstoßes.

(Darstellung mit freundlicher Genehmigung von Sebastian Gräber)

Vibrationen: Dass Vibrationen in Hand- und Schultergelenken durch spezielle Materialien (z.B. Carbon) vermindert werden können, dürfte angesichts der fehlenden Technik bei einem Großteil der Stockgeher zu vernachlässigen sein. Wo kein Aufprall, da kein Rückstoß; meint: Nur eine kleine Minderheit dürfte in der Lage sein, so viel Abstoßdruck zu entwickeln, dass die Stöcke tatsächlich in Schwingung geraten.
Gelenkschonung klingt gut, entbehrt aber wissenschaftlicher Studien für das Flachland. In Gefälle- und Steigungsstrecken ist die entlastende Wirkung für die Hüft-, Knie- und Sprunggelenke durch „Abgabe" eines Teils des Körpergewichts an die Stöcke nachvollziehbar und nachgewiesen. In der Ebene, als Ergebnis einer ersten Feldstudie (an der Europa-Fachhochschule Fresenius), ist die Belastung der Gelenke beim Nordic Walking nicht geringer als beim stocklosen Gehen! Wie auch anders, lehrt doch die ALFA-Technik den aufrechten Gang.
Nur Nordic Walking war heute, Nordic Walking und mehr... ist morgen. Nordic Hill Walking (den Berg hinauf), Nordic Jumping (mit Sprüngen), Nordic Skating (mit Inline Skates), Nordic Dogging (der Hund läuft mit), Power Walking (mit eingebauten Stretching-Übungen), Intervall Walking (mit langsamen und schnellen Phasen) und der neueste Trend Zen Walking (mit Meditationselementen) sollen das Angebot und den Markt „bereichern".
Resümee
Stockunterstütztes Gehen fügt zwei Stöcke in den natürlichen Bewegungsablauf des Menschen ein. Allen Techniken ist die natürliche Gehbewegung mit Auftreten, Abrollen und Abstoßen der Füße gleich. An dem, was sich oberhalb der Gürtellinie abspielt, scheiden sich die Geister, aber nicht Unterschiede. Die sind weder unüberbrückbar noch rechtfertigen sie ein überzogenen Dogmatismus oder Exclusivanspruch.

Bedauerlich, dass es noch kein übergreifendes Technik-Angebot gibt. Vielleicht fehlt der „Markt"; es wäre aber ungemein kompetent. Da ist die Konzeption des Deutschen Walking Institutes DWI zwar lobenswert, über Zielgruppe und Zielsetzung die Technik und Methode zu bestimmen, aber eben nur für das Nordic Walking.

Auf den Punkt gebracht: Gehe so, wie es dir angenehm ist, probiere aus. Sei neugierig, finde deinen eigenen Rhythmus. Willst du mehr, dann finde mehr, in welcher Technik auch immer. Die Technik muss zu dir passen, nicht umgekehrt. Richtig oder falsch gibt es nicht, solange es dir nicht schadet.

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